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1. internationales Open der Stadt Belluno Bericht von Andreas Steger
Kurzfristig konnte ich mich zur Teilnahme am diesem Schachturnier vom 22. bis 24. September 2006 entscheiden, nachdem ich beim Klausner Schachturnier darauf aufmerksam geworden bin. Fünf Runden in drei Tagen waren dabei zu absolvieren. Ein kurzes Turnier also, was sich komischerweise auch in den Partien wiederspiegelt.
In den beiden ausgeschriebenen Open waren 80 Teilnehmer, mehr Spieler konnte der viel zu kleine Spielsaal im "Palazzo ex Segherie" nicht fassen, daher mussten einige Schachspieler nach Hause geschickt werden, wie es bei der Preisverteilung hieß. Ein Indix dafür, dass die Organisatoren nicht mit einem solchen Ansturm gerechnet haben. Das soll sich im nächsten Jahr ändern. Im Teilnehmerfeld befanden sich die beiden Großmeister Lazic und Naumkin, die Internationalen Meister Peric und Mrdja, viele Meister und Meisterkandidaten. Ich spielte im Open B mit, das aus 30 Teilnehmern bestand.
1. Runde: Um 16 Uhr war es soweit, nach Kärnten 2003 nahm ich also zum zweiten Mal bei einem Turnier teil, das mit klassischer Bedenkzeit gespielt wird. Mein erster Gegner ist Mauro Doppioni (Elo 1587) aus Turin, ich führe die weißen Steine. Noch während ich mit der Entwicklung der Figuren beschäftigt bin, beginnt er einen Bauernaufmarsch am Königsflügel. Weil ich unbedingt eine der angreifenden Figuren abtauschen will, handle ich mir einen Doppelbauern auf der d-Linie ein. Schließlich entdecke ich eine forcierte Variante, mit der Doppelbauer aufgelöst wird und der feindliche Angriff zum erliegen kommt. Weil dann beide Seiten damit beschäftigt sind, einerseits gegnerische Schwachpunkte anzugreifen, andererseits die eigenen zu verteidigen, unterbreite ich ein Remisangebot. Doppioni überlegt zwei Minuten - und reicht mir dann die Hand. Remis nach 25 Zügen, Spielzeit 3.14 Stunden. 2. Runde: Meine Gegnerin ist Ilenia Collazuoll (Elo 1484). Mit den weißen Steinen behandelt sie die Eröffnung recht solide, bis es mir gelingt, einen Bauernvorstoß zu erzwingen. Das hat zur Folge, dass der Zentrumspringer in eine Fesselung gerät, was sich schließlich verhängnisvoll auswirkt. Schließlich entscheidet ein Scheinopfer die Partie, und nach 27 Zügen und einer Spielzeit von nur 1.50 Stunden gibt sie einen hoffungslosen Kampf auf. 3. Runde: Mit den weißen Steinen spiele ich gegen Stelio La Malfa aus Triest, der mir vom Faakersee-Open 2003 bekannt ist. Inzwischen hat er einige Elopunkte zugelegt und ist Spieler der 2. Nat. Kategorie. Er begnügt sich in der Eröffnung damit meine Züge zu kopieren, deshalb biete ich ihm schon nach 11 Zügen die Punktteilung an. Dabei unterläuft mir ein kleiner Fehler, und ich muss eine Menge Zeit investieren, um die Verwicklungen unbeschadet zu überstehen. Nachdem mir das gelungen ist, bleibt sein Läufer beharrlich im Zentrum stehen und lässt sich nur von einem Turm vertreiben. Weil dieser aber auf die Zentrumslinie will kommt es zur Zugwiederholung. Ein Blick genügte, und wir reichten uns die Hände - remis nach nur 16 Zügen und 78 Minuten. 4. Runde: Pieter Verhoeff ist ein Holländer und ist mit 1800 Elo die Nummer 1 des B-Opens. In einem Damenbauernspiel wende ich eine Verteidigung an, mit der ich schon in der Meisterschaft erfolgreich war. Just in dem Moment als ich glaubte, die sich ankündigenden Angriffe am Königsflügel im Keim erstickt zu haben, schlägt sein Läufer auf h7 ein. Schnell formieren sich daraufhin die weißen Schwerfiguren auf der h-Linie, im Bemühen, diesen Attacken mit heiler Haut zu entgehen, verschaffe ich dem König ein Fluchtfeld, was aber nichts bringt: Mit einer Leichtfigur weniger gibt mir Verhoeff Dauerschach. Remis nach 20 Zügen und nur 56 Minuten. Bei der Fritz-Analyse folgte eine böse Überraschung: Vor Sorge um den König ist mir ein einfacher Gewinnzug entgangen...
Momentaufnahme aus der letzten Runde
5. Runde: Im Kampf um einen Geldpreis musste in der letzten Runde unbedingt ein Gewinn her. Gegner der letzten Runde ist Leandro Zanon aus Belluno (Elo 1562). Dieser hat in der Auftaktrunde gegen Jonas Fox (Richter/Lask) nur mit Ach und Krach gewonnen. Es kommt zur selben Eröffnung wie gegen La Malfa. Er weicht als erster davon ab, tauscht einen Bauern im Zentrum und schiebt seinen e-Bauern nach: Das war bereit ein Fehler und kostete einen Bauern. Mit seinem Bauernheer geht er auch in der weiteren Folge grob fahrlässig um. Die schwarzen Figuren werden auf die achte Reihe zurück gedrängt: Die Läufer stehen wieder da wie in der Ausgangstellung, die Türme auf den Zentrumslinien. Bauer um Bauer geht verloren. Schon nach 24 Zügen muss er sich dem Kampf gegen drei Freibauern stellen, die von meinen Türmen von der Grundreihe aus unterstützt werden. Ein unwiderstehlich herumgaloppierender Springer und der Läufer geben der schwarzen Stellung den Rest, ich kann mich kaum für einen der vielen Gewinnmöglichkeiten entscheiden. Mit dem so genannten Mut der Verzweiflung versucht er ein Qualitätsopfer, aber die d-Linie öffnet sich für den Turm, der darauf hin zum tödlichen Schach auf der achten Reihe kommt. Aufgabe nach 31 Zügen und 3.11 Stunden Spielzeit. Die Ergebnisse der letzten Runde führten dazu, dass ich schließlich den fünften Rang belegte, was mir immerhin noch 90 Euro einbrachte. Und dazu noch 62 FSI-Elopunkte und den Aufstieg in die 3. Nationale Kategorie: Es hat sich gelohnt...
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