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1. internationales AVIS-Open von Conegliano Bericht von Andreas Steger
Kurz nach der Teilnahme beim Open von Montebelluna ergab sich für mich erneut die Möglichkeit, ein fünfrundiges Turnier zu spielen. Schauplatz war dieses Mal das AVIS-Open von Conegliano, das zum ersten Mal ausgetragen wurde.
Der Spielsaal im Hotel Eurorest war nicht sehr groß, aber für die 60 Teilnehmer (mehr waren nicht zugelassen) in beiden Open reichte es aus, um eine angenehme Atmosphäre zu schaffen. Ein Kompliment verdienen sich die Schiedsrichter Giovanni Pontara, Carlo Callegher und Andrea Corsi, die es schafften, den Geräuschpegel zu jeder Zeit unter Kontrolle zu halten (wenn ich da an Montebelluna denke...).
Auftaktgegner war der 11-jährige Marco Brunello (Elo 1434), der beim Montebelluna-Open den siebten Rang belegte. Ich schaffe es mit den schwarzen Steinen, positionelle Vorteile zu erlangen. Als er aber am Damenflügel einen Majoritätsangriff startet, muss ich lange rechnen, ehe ich mir sicher war, dass die Öffnung der a-Linie nur zu meinem Vorteil war. Sorgen bereiteten mir nur die verbunden weißen Freibauern, doch ein, zwei Mattangriffe reichten aus, um meinen frei gewordenen a-Bauern zur Dame umzuwandeln. Als die weißen Freibauern dann doch noch ein Feld weiterrücken konnten, war es bereits zu spät. Eine weitere Drohung reichte und Brunello gab auf.
Die zweite Runde stand im Zeichen der Revanche. Gegen Giuseppe Valbusa (Elo 1640) hatte ich in Montebelluna ziemlich unglücklich verloren. Jetzt hatte ich die weißen Steine, aber in der Eröffnung erwischte ich einen falschen Zug. Ich mache mich auf eine schwere Verteidigung gefasst. Als er aber zum Angriff übergeht, lässt er seinen König in der Brettmitte. Das ist die einzige Möglichkeit für mich um zuzuschlagen. Der Springer schlägt im Zentrum ein, worauf sich ein starkes, sehr bewegliches Bauernzentrum bildet, das unaufhörlich weitermarschiert. Nach dreieinhalb Stunden Spielzeit gibt er auf - der zweite Punkt für mich.
Am Nachmittag spiele mich mit den schwarzen Steinen gegen Mauricio Bazan (Elo 1410). Er ist argentinischer Abstammung. Ich kann zwar früh einen Bauern gewinnen, später opfert er eine Qualität, um sich der Angriffe auf seinen König zu entledigen. Der Materialvorteil reichte aus, um einen sicheren Punkt einzufahren. Somit war mir ein Traumstart gelungen.
Die Aufgabe wurde damit nicht leichter: In der vierten Runde musste ich erneut mit den schwarzen Steinen spielen, der Gegner war Marcello Orsatti und war mit Elo 1734 die Nummer vier des Turniers. Leider unterlief mir in einer etwas schlechteren Stellung ein grober Fehler: Um einen angegriffenen Bauern zu decken zog ich mit einem Turm, was allerdings sofort eine Qualität kostete. Was nun? Stundenlang weiterkämpfen um am Ende doch noch zu verlieren? Oder sofort aufgeben und Kraft zu sparen für die letzte Runde? Ich entschied mich für letzteres und stellte augenblicklich die Figuren zurück in ihre Ausgangstellung.
Massimiliano Bona (Elo 1551) war der Gegner der Schlussrunde. Er spielte sehr raffiniert und fand ständig neue Angriffsmöglichkeiten auf meine Zentrumsbauern. Um keinen Bauern zu verlieren, muss ich diese abtauschen, er bekommt aber einen Freibauern, den ich aber ausreichend blockieren kann. Inzwischen bekamen meine Hoffnungen auf einen noch immer möglichen Podestplatz einen argen Dämpfer. Schon vor dieser Runde war meine Buchholzwertung nicht die beste, und nachdem der Schiedsrichter Bazan den Punkt kampflos abnahm (seine Handy läutete...), Valbusa schon früh auf Verlust stand und Brunello seine Partie mehr oder weniger lustlos spielte, waren die Aussichten nach dem dritten Rang mehr schlecht als recht. Als Roberto Chiesa mit einem Remis den vierten Punkt sicherstellte, wusste ich, dass ein Sieg wertlos sein würde. Schließlich bekam Bona heftiges Nasenbluten, weshalb ich schon aus diesem Grund remis anbot. Er lehnte zunächst ab, bot die Punktteilung schließlich aber selber an, was angesichts der Stellung logisch erschien.
Insgesamt belegte ich den geteilten fünften bis zehnten Platz, nach Buchholz-Wertung wurde es aber nur der zehnte Rang. Ausserdem stimmte mich ein FSI-Elozuwachs von 36 Punkten und 37 SSB-Elo einigermaßen zufrieden. Übrigens: Das Open A gewann dank besserer Buchholzwertung FM Genocchio vor IM Piscopo und GM Duric, die alle vier Punkte hatten.
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